Archiv für November, 2009

Neue Markt- und Mediaanalyse von drsp:

Schlechtes Jahr für Print-Stellenmärkte


Matthias AdrionAls Recruiting-Beratungsagentur werten wir kontinuierlich die Stellenmärkte aller relevanten deutschsprachigen Printmedien aus. Zweimal jährlich tragen wir die Daten zusammen und berichten darüber im Rahmen unserer Markt- und Mediaanalyse HRinform. Ab sofort ist die Ausgabe Herbst 2009 erhältlich (die wir natürlich gern als PDF verschicken – kurze Mail an faktortalent@drsp.de genügt).

Was die großen Zeitungs-Stellenmärkte angeht, hatten wir diesmal leider nicht viel Positives zu vermelden: Die Konjunkturkrise der vergangenen Monate hat die deutschen Printmedien im ersten Halbjahr 2009 mit voller Wucht erfasst. Um fast die Hälfte (48 Prozent) schrumpfte das Anzeigenaufkommen gegenüber dem Vorjahreszeitraum in sich zusammen. Besonders hart trifft es die großen überregionalen Titel, wobei auch auf regionaler Ebene Minusrekorde von bis zu 63 Prozent zu verbuchen sind. Einzig die Wochenzeitung Die Zeit sowie die Welt mit ihrem im vergangenen Jahr komplett überarbeiteten Stellenmarkt konnten erneut dem Trend trotzen.

Bei den regionalen Titeln fällt auf, dass die Stellenmärkte im Norden des Landes offenbar weniger stark von der Krise betroffen sind als ihre Pendants im Süden: Mit einem durchschnittlichen Minus von 40 Prozent kommt man vergleichsweise glimpflich davon. Besonders der Tagesspiegel kann hier mit deutlich überdurchschnittlichen Werten glänzen.

Noch etwas schlechter als im Nachbarland fällt dagegen die Entwicklung in Österreich aus: Minus 53 Prozent sind hier im Durchschnitt zu beklagen. Und auch die Stellenmärkte der großen Schweizer Titel sind im ersten Halbjahr 2009 nur noch halb so umfangreich wie im Vergleichszeitraum. Immerhin: Obwohl sich die Mediennutzung immer mehr in den Online-Bereich verschiebt, halten sich die Reichweiten laut WEMF-Leserschaftsanalyse stabil – einige Blätter konnten zuletzt sogar Boden gutmachen.

Und auch sonst ist der Schweizer Printmarkt allen Unkenrufen zum Trotz nach wie vor quicklebendig: Mit dem Tages-Anzeiger und der Neuen Zürcher Zeitung gönnten sich beide Flaggschiffe der Schweizer Tagespresse zeitgleich einen umfassenden Relaunch. So wurde in beiden Titeln die Anzahl der Bünde deutlich reduziert, auch optisch wird dem Zeitgeist Rechnung getragen.

Einen etwas besseren Verlauf als im Print-Bereich nahm übrigens im ersten Halbjahr 2009 die Entwicklung der großen Online-Stellenbörsen: Hier zeigt unsere Auswertung „nur“ minus 27 Prozent in Deutschland (Kalaydo.de konnte sich sogar steigern) bzw. minus 21 Prozent in der Schweiz.

hrinform

Trotzdem: So richtig zufrieden wird wohl kaum ein Anzeigenverkäufer auf das Jahr 2009 zurückblicken. Wobei die Entwicklung aus Unternehmenssicht nicht unbedingt negativ zu bewerten ist: Weniger dicht gefüllte Stellenmärkte bedeuten schließlich vor allem eines: erheblich weniger Konkurrenz für die eigenen Ausschreibungen.

Weitere Themen in der aktuellen HRinform: unsere (sich noch in der Auswertung befindliche) Web-2.0-Studie, Qualitätskriterien von professionellen Vergütungsvergleichen und Jobsuchmaschinen auf dem Prüfstand.

 

kununu-Gründer Martin Poreda im Interview

“Dort Präsenz zeigen, wo die Zielgruppe ist”


Martin PoredaIn der vergangenen Woche konnte man das Team von  Faktor Talent zwei Tage lang auf der Personal Austria in Wien antreffen, wo wir als Aussteller gemeinsam mit den kununu-Gründern Martin und Mark Poreda zum Thema Employer Branding informiert haben. Eine willkommene Gelegenheit, die beiden Macher hinter der Arbeitgeber-Bewertungsplattform einmal genauer zu ihren Argumenten in Sachen Web 2.0 zu befragen.

Faktor Talent: Die Zahl der Web 2.0-Plattformen, die miteinander um die Aufmerksamkeit der Bewerber (und die Etats der HR-Entscheider) konkurrieren, wächst beständig, während viele Personaler noch wenig mit den neuen Kommunikationskanälen anzufangen wissen. Warum sollten sich Arbeitgeber überhaupt auf Websites wie Kununu engagieren?

Martin Poreda: Eigentlich sehe ich keinen Konkurrenzkampf um Web 2.0 Budgets in den HR Abteilungen. Ist „Web 2.0“ in den Köpfen der HR-Verantwortlichen einmal angekommen, gibt es bloß eine Handvoll von sinnvollen Plattformen, die im HR Social Media Marketing nicht fehlen sollten. Genau darum geht es bei einem Engagement in sozialen Netzwerken: Dort Präsenz zeigen, wo die Zielgruppe ist. Das ist meistens nicht dort, wo es die Kommunikationsabteilung gerne sehen würde. kununu ist Anlaufstelle für Bewerber, die sich zielgerichtet über attraktive Arbeitgeber informieren wollen – was liegt also näher, als diese auch dort abzuholen?

Faktor Talent: Wenn es um Arbeitgeber-Bewertungen geht, ist kununu in aller Munde. Was macht euch erfolgreicher als Konkurrenzangebote wie bizzWatch, Kelzen und Jobvoting?

Martin Poreda: kununu ist die einzig professionell betriebene Plattform mit der Thematik „Arbeitgeber-Bewertung“. Kein anderes Projekt wird full-time betreut, genießt Unterstützung durch Investoren, kann auf Kooperationen mit den renommiertesten Verlagshäusern zurückgreifen und mobilisiert durch eine Kombination aus Glaubwürdigkeit, ansprechendem Design  und professioneller Marktbearbeitung tausende Besucher unserer Webseite. Das Marketing wird durch unsere Nutzer selbst übernommen. Da läuft sehr viel über Mund-zu-Mund-Propaganda – was uns beweist, dass die Plattform von der Zielgruppe wirklich angenommen und geschätzt wird. Im Gegenzug ist uns gegenüber den bewerteten Unternehmen ein hohes Maß an Fairness wichtig. Das beginnt damit, dass wir auf kununu keine pauschalisierenden Negativ-Bewertungen zulassen, sondern von den Bewertern konkrete Verbesserungsvorschläge erwarten. Es geht bei uns nicht darum, einzelne Unternehmen oder Führungskräfte anzuschwärzen, sondern zu sagen, was klasse ist und was noch optimaler laufen könnte. Deshalb wird jede neue Bewertung von uns gesichtet und kontrolliert.

Faktor Talent: Vor einigen Wochen habt ihr kununu einem umfassenden Relaunch unterzogen – was ist neu?

Martin Poreda: Der kununu-Relaunch spielte sich nicht bloß in der Optik ab, sondern ging auch mit einer eindeutigen Positionierung einher. Der Relaunch streicht den Unterschied von kununu zu Online-Jobboards heraus und läßt keinerlei Zweifel an der Mittlerfunktion von kununu entstehen: Besuchern bieten wir die Möglichkeit der Recherche nach Arbeitgebern und Arbeitgebern die Möglichkeit für zielgerichtete Bewerberansprache. Die Suche wurde komplett überarbeitet und Informationen über Arbeitgeber sind nun übersichtlicher dargestellt und schneller auffindbar. Die Unternehmensangebote sind attraktiver und prominenter platziert. Alles in allem ist ein guter Mix aus Neuem für beide Zielgruppen entstanden.

Faktor Talent: Wagen wir den Blick in die Zukunft: Was wird sich in den kommenden zwei Jahren ändern – im Web 2.0 allgemein und auf kununu?

Martin Poreda: Im Web 2.0 denke ich, dass hier für HR-Verantwortliche nichts großes „Neues“ kommen wird. Facebook wird weiterhin wachsen und die Vernetzung im Web fördern. Nischen werden besetzt werden, die nicht für so viel Wirbel wie z.B. Twitter sorgen werden und für Jobsuchende  Mehrwert stiften. „Second-Life“-Desaster sehe ich zurzeit keine auf uns zukommen. Da seit Bestehen des Internets Foren und Bewertungsplattformen die stabilen Komponenten im Internet bilden, wird kununu unaufhaltsam wachsen und an Bedeutung gewinnen. In der kununu-Pipeline stehen Features für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die die Jobsuche und Mitarbeitergewinnung vereinfachen sollen.

 

Arbeitgeber-Bewertungsportale

Des Kaisers neue Kleider


Tilman BüttnerSo ist sie, die schöne neue Welt des Internets: Seitdem das Schlagwort „Web 2.0“ nicht nur als Worthülse von sich reden macht, sondern sich auch in unterschiedlichsten Formen (fast) überall im Netz niederschlägt, ist der normale private Web-Surfer von einem stummen Konsumenten dargebotener Inhalte zum meinungsbildenden, interaktiven Teilnehmer und Gestalter öffentlicher Inhalte und Diskussionen geworden. Das Web 2.0 hat sich damit zur basisdemokratischen Instanz des Internets gemausert.

Bewertungen spielen dabei eine immer wichtigere Rolle: Sei es ein Nachrichtenartikel, ein im E-Shop angebotenes Produkt oder ein hochgeladenes Video: Alles kann von jedem bewertet und kommentiert werden, meist anonym. Die Summe von Bewertungen auf entsprechenden Portalen, also die durchschnittliche Bewertung, darf dabei in ihrer beeinflussenden Wirkung auf den Nutzer nicht unterschätzt werden:  Möchte ich wirklich ein Hotel buchen, dass andere mit durchschnittlich nur zwei von fünf Punkten bewertet haben? Kaufe ich etwa einen MP3-Player, den die Mehrzahl der Kommentare als minderwertig bezeichnet?

Doch nicht nur Produkte oder Dienstleistungen stehen auf dem Prüfstand der Web-Community. Auch Institutionen, ja sogar einzelne Personen müssen sich die öffentlichen Benotungen gefallen lassen. In Deutschland sind insbesondere Bewertungsportale für Lehrer und Professoren wie spickmich.de oder meinprof.de allgemein bekannt. Die Kontroversen, die es dabei in der Öffentlichkeit insbesondere um spickmich.de gegeben hat, haben eine zentrale Streitfrage verdeutlicht: Bewähren sich diese Websites für den Nutzer als aussagekräftige Orientierungshilfen für die bewerteten Personen oder Institutionen — oder werden sie überwiegend als Ventil für den aufgestauten Frust Einzelner missbraucht?

Das Phänomen der Arbeitgeber-Bewertung wurde zuerst in den USA populär. Die Aufmachung der dortigen Portale ist dabei sehr unterschiedlich: Während etwa JobVent sich auf Arbeitgeber-Bewertung beschränkt und dabei stark polarisiert („I love my job / I hate my job“), versuchen Portale wie Vault und glassdoor.com ein umfassenderes Angebot zu bieten, das auch Gehaltsinformationen sowie Karrieretipps und -services einschließt.

jobvent

Der österreichische Anbieter Kununu, der im deutschsprachigen Raum Platzhirsch unter den Arbeitgeber-Bewertungsportalen ist, wagt den Spagat zwischen einem Angebot für Bewerber und Produkten für Unternehmen. Das Konzept ist im Vergleich mit JobVent weniger radikal und polarisierend und setzt auf zwei Mehrwerte: Zum einen sollen Interessenten sich ein authentisches Bild von einem Unternehmen als Arbeitgeber machen können, so wie es von seinen derzeitigen und ehemaligen Arbeitnehmern eingeschätzt wird. Zum anderen sollen Unternehmen die Chance erhalten, sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren, ihr Unternehmensprofil mit eigenen Inhalten zu bereichern und – etwa durch proaktives Reagieren auf in Kommentaren geäußerte Kritikpunkte – ihre Arbeitgebermarke zu stärken. Auch der größte Wettbewerber von Kununu, Evaluba, folgt dieser Konzeption.

Wir würden gerne wissen, ob Sie bereits Erfahrungen mit dem Phänomen Arbeitgeber-Bewertung gemacht haben. Sagen Sie uns Ihre Meinung: Sorgen diese Portale für mehr Transparenz und langfristig bessere Bedingungen für Arbeitnehmer oder überwiegt die Gefahr des Missbrauchs als Schimpfportal? Sehen Sie eher die Chance als Arbeitgeber, eigene Stärken mit hoher Authentizität und Glaubwürdigkeit hervorzuheben oder haben Sie Angst vor ungerechtfertigter Kritik? Wobei wir wieder beim Thema Web 2.0 wären: Auch dieser Beitrag kann und soll kommentiert werden.