Interne Kommunikation
Mitarbeitermedien, die ankommen
Kategorie: Employer Branding | 02.10.2009, 13:54 | Autor: Matthias Adrion
Als zentrales Werkzeug der internen Kommunikation hat die Mitarbeiterzeitschrift eine lange Tradition. Doch in Zeiten von Intranet, E-Mail-Newsletter und Mitarbeiter-Wiki steht das traditionelle Medium vielerorts auf dem Prüfstand. Vor allem durch die entfallenden Druckkosten werden alternative (elektronische) Kommunikationswege im Vergleich attraktiv. „Droht das Flaggschiff der internen Kommunikation in den Wogen der Wirtschaftskrise unterzugehen?“, hat erst kürzlich die Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG) gefragt und auf den drohenden Sturm mit einem Satz „Navigationshilfen“ für die Verfechter des Printformats reagiert.
Die Diskussionen um Für und Wider der gedruckten Mitarbeiterzeitschrift möchte ich an dieser Stelle links liegen lassen. Klar ist ohnehin: Die Druckkosten machen oft nur den kleineren Teil des Kommunikationsbudgets aus, und wer sich allein auf das Intranet verlässt, sollte zumindest sicher gehen, dass auch alle Angestellten den entsprechenden Zugriff haben. Gerade im laufenden Produktionsbetrieb ist das nicht immer selbstverständlich.
Was in meinen Augen viel interessanter ist, sind die Faktoren, die zu einer erfolgreichen Mitarbeiteransprache beitragen. Denn die sollten unabhängig vom Medium stimmen:
Wertigkeit: Außen hui, innen pfui – was Form und Inhalt der Kommunikation betrifft, scheint diese Maxime leider bei vielen Firmen zu den gelebten Grundsätzen zu gehören. Während Kundenzeitschrift und Geschäftsbericht im hochglanzpolierten Edel-Look daherkommen, werden den eigenen Angestellten magere (Intranet-)Seiten zugemutet, die in Wort und Bild eher an die ersten Gehversuche einer Schülerzeitung erinnern denn an ein wirksames Instrument der Mitarbeiterbindung. Ein Mindestmaß an Stilsicherheit und gestalterischer Finesse sollte aber auch in der internen Kommunikation Pflicht sein. Merke: Mitarbeiterzeitschriften (und Intranet-Angebote) sind Zeichen der Mitarbeiter-Wertschätzung – oder eben nicht…
Inhalt: Schlechte Mitarbeitermedien sind ein bisschen wie die kostenlosen Reklameblätter, die jedem von uns mehrmals pro Woche in den Briefkasten flattern. Sie werden vielleicht gelesen, wenn gerade nichts anderes zur Hand ist, aber wohl niemand würde sie übermäßig vermissen. Gute Mitarbeiterzeitschriften reißen ihre Leser dagegen mit, zeigen ihnen unbekannte Seiten am Unternehmen, machen sie stolz auf den Arbeitgeber. Klar, dass das nur durch packende Inhalte und nicht im Nebenbei geht. Doch es gilt: Wer sein Mitarbeitermedium von professioneller Seite begleiten lässt, Zeit steckt in ein durchdachtes Konzept und die Recherche spannender Themen, muss vielleicht ein paar Euro mehr investieren. Aber er kann sich sicher sein, dass die Botschaft auch ankommt.
Einbindung: Verlautbarungsjournalismus ist out – das gilt für die klassischen Öffentlichkeitsmedien ebenso für die interne Kommunikation. Die Mitarbeitenden sollten sich in ihrer Zeitschrift, ihrem Intranet, ihrem Newsletter wiederfinden. Schon allein aus Kosten- und Zeitgründen macht es Sinn, sie in die Themenfindung und Texterstellung einzubinden. Die Qualität der Artikel sollte man dennoch sicherstellen. Denn nicht immer schreibt derjenige, der als verantwortlicher Leiter den größten Einblick in ein Projekt hat, auch zwangsläufig die lebhaftesten Berichte darüber. Es macht also Sinn, bei aller Mitarbeiterbeteiligung immer auch eine unterstützende Redaktionsstufe einzuplanen. Positiver Nebeneffekt: Oft steigert diese Maßnahme unter der Belegschaft zugleich die Bereitschaft, sich in das Medium einzubringen. Denn wer weiß, dass seine Texte anschließend professionell lektoriert/optimiert werden, hat oft deutlich weniger Schreibhemmungen.