Bereits vor einiger Zeit hat unser Blogger-Kollege Jochen Mai in der Karrierebibel über die fehlende Mobilität deutscher Manager berichtet. Die zitierte Studie im Auftrag von www.experteer.de beleuchtet das Migrationsverhalten von mehr als 20.000 Spitzenkräften innerhalb Europas. Sie zeichnet dabei ein klares Bild: Nur rund 10 Prozent der Spitzenkräfte wechseln innerhalb Ihres Berufslebens für längere Zeit das Land.
Ein Grund für die mangelnde Bereitschaft, ins Ausland zu wechseln, liegt sicher im vergleichsweise hohen Gehaltsniveau in Deutschland. Es wundert daher nicht, dass sich unter den beliebtesten Zielen deutscher Top-Manager das Hochlohnland Schweiz findet.
Ein weiterer Grund, den auch wir immer wieder im Rahmen unserer Recruiting-Projekte beobachten, ist die Tatsache, dass ein Wohnortwechsel für viele Kandidaten eine große Hürde darstellt. Gerade innerhalb der DACH-Region steht Wohneigentum (auch bei der jüngeren Generation) nach wie vor hoch im Kurs, örtliche Flexibilität ist daher nicht immer gegeben. Zudem müssen auch (Ehe-)Partner und Kinder des Kandidaten sich im neuen Umfeld wohlfühlen bzw. dort Arbeit und soziale Kontakte finden.
Für einen guten Recruiter ist daher gelernt, dass niemals nur der jeweilige Kandidat rekrutiert wird, sondern immer gleich das gesamte familiäre Umfeld. Dies gelingt dadurch, dass der Partner früh in den Recruiting-Prozess einbezogen wird und z.B. bei relevanten Gesprächen mit am Tisch sitzt: Im Extremfall geht die Suche nach einem geeigneten Kandidaten einher mit der Suche nach geeigneten Vor-Ort-Karriereperspektiven für die jeweiligen Partner.
Auch durch überdurchschnittliche Angebote zur Work-Life-Balance wie Home-Office-Regelungen und flexible Arbeitszeiten kann das familiäre Kandidatenumfeld ggf. überzeugt werden, einen Wohnortwechsel in Kauf zu nehmen.
Dass solche Fragestellungen durchaus auch gesamtgesellschaftliche Relevanz haben, zeigt nicht zuletzt eine Studie von PricewaterhouseCoopers und Landwell. Eine der Kernaussagen der Untersuchung: Wird nicht entschlossen gegengesteuert, könnte die mangelnde Mobilität der Arbeitnehmer bald die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsraums Europa gefährden.
Mit einem Vergleich über 42.500 Euro endete gestern vor dem Landesarbeitsgericht Freiburg der so genannte „Maultaschen-Prozess“. Eine 58-jährige Altenpflegerin hatte darin gegen ihren Arbeitgeber geklagt – der ihr zuvor für den angeblichen Diebstahl übrig gebliebener Nudelteigtaschen gekündigt hatte.