Website-Rankings

And the winner is: Netzwerke, Suchmaschinen, Jobbörsen


Tilman Büttner

Jobsuchende haben es nicht leicht: Während noch vor 10-15 Jahren die einzige vielversprechende Quelle für Stellenangebote die gute alte Tageszeitung war, stehen sie heute mehrfach vor der Qual der Wahl. Jobbörsen, professionelle Netzwerke, Job-Suchmaschinen, Twitter – die Quellen sind so zahlreich und unterschiedlich, dass Orientierungslosigkeit schon fast vorprogrammiert scheint. Doch welche Online-Angebote sind – zumindest quantitativ – die Gewinner dieses Überangebots? Welche individuellen Portale können sich behaupten und erfreuen sich hervorragender Traffic-Werte?

Unabhängige Quellen für solche Vergleichsanalysen zu finden ist nicht einfach. Ein relativ zuverlässiger Indikator für die Popularität einer Website ist aber der „Traffic Rank“ des Statistikdienstes Alexa.com, ein Tochterunternehmen der Amazon-Gruppe. Alexa errechnet diesen Traffic Rank anhand der ermittelten Seitenaufrufe und der Besucheranzahl der letzten drei Monate. So entsteht eine Liste der populärsten Websites weltweit sowie für jedes einzelne Land.

Ganz oben landen dabei in fast allen Ländern die üblichen Verdächtigen: Google, Wikipedia, YouTube, Facebook, Amazon und Ebay sind weltweit auf Spitzenplätzen vertreten. Dazu kommen landestypische Websites wie Spiegel Online in Deutschland, das ORF in Österreich oder Bluewin.ch in der Schweiz. Wir haben jedoch anhand des Traffic Ranks untersucht, an welcher Stelle der Toplisten berufsbezogene Websites – also Jobbörsen, Meta-Suchmaschinen und Netzwerke – in Deutschland, Österreich und der Schweiz gelistet werden. Das Ergebnis ist durchaus aufschlussreich:

Top-10 DeutschlandDie Gewinner: Xing, LinkedIn – und die Arbeitsagenturen

Dass die Netzwerke Xing und LinkedIn sich ganz oben auf den Top Ten wiederfinden, ist sicher nicht überraschend, der Abstand, mit denen sich beide Netzwerke in allen drei Ländern vor den klassischen Jobbörsen behaupten können, beindruckt jedoch. So liegen in Deutschland zwischen Xing und der bestplatzierten Jobbörse, Monster Deutschland, immerhin 228 Plätze. Vielleicht die größte Überraschung: Die Websites der staatlichen Arbeitsagenturen schneiden erstaunlich stark ab. Besonders in Deutschland und Österreich sind sie mit Rang 2 bzw. 3 der Top Ten hervorragend platziert, die Arbeitsvermittlung der Schweiz hat es immerhin noch in die Rangliste geschafft.

Top-10 ÖsterreichDie neuen Starken: Meta-Jobsuchmaschinen

Ein weiteres interessantes Ergebnis des Vergleichs ist, dass einige bekannte Jobbörsen überhaupt nicht in den Top Ten vertreten sind, während Jobsuchmaschinen, eine relativ neue Spezies unter den berufsbezogenen Websites, erstaunlich stark vertreten sind. So ist Jobrapido in allen drei Listen vertreten, Gigajob immerhin in Deutschland und Österreich.

Top-10 SchweizFazit

Auch wenn die Popularität einer Website allein noch nichts über ihre Qualität als Recruiting-Plattform aussagt, ist sie wenigstens ein Indikator für das Potenzial, das häufig frequentierte Portale naturgemäß haben. Dabei haben wir drei Dinge gelernt: Erstens, dass die Websites der staatlichen Arbeitsagenturen populärer sind als allgemeinhin angenommen, zweitens, dass auch die Meta-Jobsuchmaschinen sich gegenüber klassischen Jobbörsen gut behaupten – und schließlich, dass die Netzwerke Xing und LinkedIn hinsichtlich ihres Traffics in einer eigenen Liga spielen. Falls sich die derzeitigen Gerüchte bewahrheiten sollten und LinkedIn seinen Konkurrenten schluckt, wäre dieses Ergebnis umso bedeutender für die digitale HR-Landschaft.

*Quelle: www.alexa.com. Alle Daten erhoben am 07.10.2009.

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3 Kommentare

  1. [...] the winner is… – Recruiting-Platformen im Ranking. Wer die Siegessäule erklimmt und wer zukünftig die Richtung vorgeben [...]

  2. Capilano sagt:

    Schon meine Großmutter hat gesagt, man solle keine Äpfel mit Birnen vergleichen – aber genau das machen Sie in Ihrem ansonsten interessanten Artikel. Der Webtraffic, der auf reinrassige Karriereportale wie Monster, StepStone oder die Bundesagentur für Arbeit durch Surfer erzeugt wird, hat eine gemeinsame Grundlage bzw. Motivation, nämlich die Suche nach Karrierechancen. Sie unterstellen in Ihrem Vergleich, daß Besucher von LinkedIn oder Xing ebenfalls ausschliesslich Karrierechancen bzw. Kandidaten suchen – doch dies ist in der Praxis nicht garantiert – und Alexa kann die Motivation für einen Webseitenaufruf nicht messen und analysieren. Umgekehrt verhält es sich mit dem Stellenmarkt auf dem Portal der Süddeutschen Zeitung. Dort werden Stand heute über 3.000 Stellenangebote publiziert, das Alexa-Ranking der webseite http://www.sueddeutsche.de ist Stand heute 730 weltweit. Hier sieht man ganz deutlich, daß die Besucher der webseite http://www.sueddeutsche.de nicht ausschliesslich wegen der Stellenanzeigen vorbeisurfen, sondern zu einem nicht unerheblichen Teil auch das Informationsangebot dieses Medienportals nutzen. Deshalb sollte man bei einem Alexa-Ranking-Vergleich in jedem Einzelfall prüfen, ob die Relevanz (z.B. für Karriereportale) vergleichbar ist – andernfalls mixt man sich einen Obstsalat aus Äpfel und Birnen. Appetitlich vielleicht, aber ein Alptraum für Statistiker.

    Im übrigen ist Gigajob keine Jobsuchmaschine sondern nach eigenen Angaben auf deren Webseite eine Jobbörse. In diesem Zusammenhang wäre es vielleicht interessanter gewesen, die Alexa-Ranking-Zahlen von Jobsuchmaschinen wie Kimeta, ICjobs, Jobs.de oder backinjob in diesem Vergleich zu berücksichtigen.

    Richard Capilano

  3. [...] neuesten Beitrag werden die Nutzerzahlen der verschiedenen Internetmedien, die potentiell zur Jobsuche eingesetzt werden können, verglichen. Diesen Vergleich [...]

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