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Employer Branding im Krisenfall

Für eine Handvoll Maultaschen…


Matthias AdrionMit einem Vergleich über 42.500 Euro endete gestern vor dem Landesarbeitsgericht Freiburg der so genannte „Maultaschen-Prozess“. Eine 58-jährige Altenpflegerin hatte darin gegen ihren Arbeitgeber geklagt – der ihr zuvor für den angeblichen Diebstahl übrig gebliebener Nudelteigtaschen gekündigt hatte.

Ob Einzelhändler Kaiser’s seine Kassierer für das Einlösen gefundener Pfand-Bons entlässt, Discount-Riese Lidl die Gespräche seiner Mitarbeiter protokolliert oder Daimler Bewerber gleich reihenweise zum Bluttest antreten lässt: Seit einigen Monaten häufen sich Berichte über Arbeitgeber, die mehr als einmal an Überreaktionen im Umgang mit der bestehenden oder künftigen Belegschaft denken lassen.

Auch wenn sich viele Akteure dabei auf rechtlich sicherem Boden bewegen: Der Schaden für die Arbeitgebermarke ist in jedem Fall immens – und muss häufig, wie im Fall Lidl, durch aufwändige PR-Kampagnen geradegebogen werden, die in keinem Verhältnis zum objektiven Streitwert stehen.

Was das für die tägliche Employer-Branding-Praxis bedeutet? Zum einen sicherlich, dass im Hinblick auf Arbeitgebermarke und -image im Zweifelsfall gilt: „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.“ Denn wer durch die (und sei es nur vermeintlich) kritikwürdige Behandlung seiner Mitarbeitenden/Bewerber in die öffentliche Diskussion gerät, hat zunächst einmal vor allem eines zu tun: eine Menge gutzumachen. Zudem deuten Studien darauf hin, dass übermäßige Kontrolle den Einsatz der Mitarbeitenden sinken lässt – Stechuhr oder Überwachungskamera am Arbeitsplatz also einen eher kontraproduktiven Effekt haben.

Nun sind Laissez-faire-Regelungen und Vertrauensvorschüsse sicher nicht in jeder Situation angebracht. Viele Einschränkungen am Arbeitsplatz haben schon aus Gründen der Sicherheit oder Corporate Governance ihre Berechtigung. Gerade in diesem Fall kommt es auf eine überzeugende interne Kommunikation an: Wer die jeweils gültigen Vorschriften etwa zur Mediennutzung am Arbeitsplatz oder zum Umgang mit Geschäftsinterna nicht nur kennt, sondern auch nachvollziehen kann, wird diese umso leichter akzeptieren bzw. weniger stark als Einschränkung empfinden.

Personalabteilung und HR-Kommunikation können und sollten hier (z.B. durch den internen Einsatz von Social-Media-Knigge, Führungsgrundsätzen und/oder Verhaltensrichtlinien) für klare Verhältnisse sorgen – und so Schäden an der Arbeitgebermarke schon im Vorfeld verhindern helfen.

 

Sinkende Mitarbeiterbindung

Flexibilität rauf, Commitment runter?


Matthias AdrionMal wieder ein „crossmedialer“ Lesetipp: In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift personal manager berichten Thomas Schneidhofer und Michael Schiffinger von der Wirtschaftsuniversität Wien unter dem Titel „Der Preis der vermeintlichen Freiheit“  über die Auswirkungen flexibler Arbeitsformen auf die Mitarbeiterbindung. Anstoß für den Artikel (bzw. die dahinter steckende Forschungsarbeit) ist der sich immer mehr verstärkende Trend zu atypischen Beschäftigungsverhältnissen – also z.B. befristete Verträge oder Teilzeit- und Leiharbeit.

Das Ergebnis der Untersuchung: Die objektive (vertraglich fixierte) Flexibilisierung der Arbeitsbeziehungen verändert auch die Einstellung der Arbeitnehmer vom jeweiligen Unternehmen. So waren jüngere Mitarbeitende (die häufiger als ihre älteren Kollegen von flexiblen Beschäftigungsverhältnissen betroffen waren) im Schnitt weniger zuversichtlich im Hinblick auf ihre Karriere. Interessanterweise fühlten sie sich zugleich deutlich abhängiger von ihrem Arbeitgeber – trotz objektiv schwindender Bindung.

In diesem Zusammenhang zitieren die Autoren auch noch einmal das Modell des Organizational Commitment (Meyer/Allen, 1991). Die Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse, so Scheidhofer und Schiffinger, sorgt dafür, dass das affektive Commitment unter den Mitarbeitenden sinkt, während das kalkulatorische Commitment steigt. In anderen Worten: Immer weniger Angestellte fühlen sich emotional mit ihrem Arbeitgeber verbunden.

Das Problem: Ist es nicht gerade das affektive Commitment, die Begeisterung für die Aufgabe, der sportliche Ehrgeiz, das/die/der uns häufig zu den besten Ergebnissen, zu „Leistung aus Leidenschaft“ antreibt?

Entwicklungen wie diese machen deutlich, das von HR heute stärker denn je Programme und Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung und -motivation gefragt sind. Emotionale Verbundenheit und Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber sind für immer weniger Menschen eine Selbstverständlichkeit. Umso mehr gilt es, die eigenen Mitarbeitenden vom ersten Tag an aktiv für das Unternehmen zu begeistern – durch Onboarding-Programme, interne Kommunikation, gelebte Unternehmenskultur und ein Employer Branding-Konzept, das nicht nur plakativ nach außen gerichtet ist, sondern ebenso nachhaltig nach innen wirkt.

 

Interne Kommunikation

Mitarbeitermedien, die ankommen


Matthias AdrionAls zentrales Werkzeug der internen Kommunikation hat die Mitarbeiterzeitschrift eine lange Tradition. Doch in Zeiten von Intranet, E-Mail-Newsletter und Mitarbeiter-Wiki steht das traditionelle Medium vielerorts auf dem Prüfstand. Vor allem durch die entfallenden Druckkosten werden alternative (elektronische) Kommunikationswege im Vergleich attraktiv. „Droht das Flaggschiff der internen Kommunikation in den Wogen der Wirtschaftskrise unterzugehen?“, hat erst kürzlich die Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG) gefragt und auf den drohenden Sturm mit einem Satz „Navigationshilfen“ für die Verfechter des Printformats reagiert.

Die Diskussionen um Für und Wider der gedruckten Mitarbeiterzeitschrift möchte ich an dieser Stelle links liegen lassen. Klar ist ohnehin: Die Druckkosten machen oft nur den kleineren Teil des Kommunikationsbudgets aus, und wer sich allein auf das Intranet verlässt, sollte zumindest sicher gehen, dass auch alle Angestellten den entsprechenden Zugriff haben. Gerade im laufenden Produktionsbetrieb ist das nicht immer selbstverständlich.

Was in meinen Augen viel interessanter ist, sind die Faktoren, die zu einer erfolgreichen Mitarbeiteransprache beitragen. Denn die sollten Weiterlesen »