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Work Life Balance

Teilzeit & Co. – Familienfreundlichkeit im Netz


Matthias AdrionMehr als die Hälfte aller frischgebackenen Väter haben das Gefühl,  dass sie berufsbedingt nicht genug Zeit mit ihrem Nachwuchs verbringen können – so jedenfalls lautet das Ergebnis einer britischen Studie, das sich auf den Seiten des Guardian nachlesen lässt. Demnach finden nur 46 Prozent aller befragten Männer, dass die Aufteilung zwischen Arbeitszeit und Familie in ihrem Fall ausgewogen ist.

Nun geistert das Stichwort „Work Life Balance“ nicht erst seit gestern durch die HR-Szene. Auch Studien aus Deutschland legen aber nahe, dass der Begriff gerade in Sachen Employer Branding immer relevanter werden dürfte. Zwei Beispiele unter vielen: Erst im Spätsommer vermeldete das Statistische Bundesamt, dass die Zahl der Väter in Elternzeit binnen Jahresfrist um rekordverdächtige 29 Prozent gestiegen ist. Und eine (etwas fragwürdige, aber dennoch interessante) Untersuchung des Marktforschungs-Dienstleisters Dynamic Markets kommt zu dem Ergebnis, dass zwei Drittel aller deutschen Beschäftigten für flexiblere Arbeitszeitmodelle auf einen Teil ihres Gehalts verzichten würden. Durchschnittlich elf Prozent Lohneinbußen, so die Studie, würden Arbeitnehmer im Gegenzug für Gleitzeit, Home Office und Co. hinnehmen.

Der Ausgleich zwischen „Beruf“ und „Privat“ wird immer mehr zur Devise – und sollte eigentlich in der externen wie internen Arbeitgeberkommunikation seinen Platz sicher haben. Umso erschreckender, dass viele Unternehmen das (wie erwähnt gar nicht mal so neue) Kandidatenbedürfnis noch nicht erkannt zu haben scheinen. Wer sich die Mühe macht, einmal die Karriereseiten der deutschen DAX-Unternehmen abzusurfen, wird hinsichtlich Work Life Balance jedenfalls nur in knapp zwei von drei Fällen fündig.

Gerade 18 der 30 größten börsennotierten AGs thematisieren die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf ihrer Website (wie groß der Informationswert für den Bewerber im konkreten Fall ist, schwankt dann noch einmal deutlich). Erheblich düsterer sieht es auf dem Großteil der Internet-Präsenzen kleiner und mittelständischer Unternehmen aus. Dabei dürften entsprechende Angebote meist durchaus vorhanden sein. Allein: Bewusst geredet wird darüber nicht.

Es gibt allerdings auch überzeugende Best-Practice-Beispiele, von denen zwei hier kurz vorgestellt werden sollen:

  • Nicht übermäßig informativ, aber doch optisch sehr ansprechend nimmt sich BASF der Geschichte auf seinen Seiten an. Unter den Titeln beruf liebt familie und work liebt life balance wird das Thema stimmig in Bildform angeteast – zugegebenermaßen eine (im wahrsten Wortsinne) plakative Art der Ansprache, aber zugleich wohl eine der effektivsten.
  • Extrem ausführlich widmet sich dagegen Bosch der Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben. Gleich auf drei Seiten zu den Komplexen Flexible Arbeitszeit, Familie und Beruf sowie Freizeitangebote werden Informationen bereitgestellt – ergänzt um zwei (!) themenspezifische Broschüren als PDF-Download. Da mag mancher über den vermeintlichen Informations-Overkill lästern: So viel Transparenz trifft den Zielgruppen-Nerv und ist heute leider noch eher selten anzutreffen.

Ein Mittel, zu dem übrigens immer mehr Arbeitgeber greifen, um ihre Familienfreundlichkeit unter Beweis zu stellen, ist das Audit berufundfamilie der gemeinnützigen Hertie-Stiftung: Dieses Jahr verzeichnete man dort mit 322 Zertifizierungen einen neuen Teilnehmerrekord. Mehr dazu (wie zu anderen Formen der Arbeitgeber-Auszeichnung) demnächst an dieser Stelle.